Erdung- Zurückfinden in die innere Balance

 

Erdung (Grounding) in der Psychotherapie ist eine Stabilisierungstechnik, die Klienten hilft, bei Ängsten, Überforderung oder Dissoziation ins Hier und Jetzt zurückzufinden. Durch bewusste Körperwahrnehmung – wie das Spüren der Füße auf dem Boden oder tiefe Atmung – werden stressbedingte Blockaden gelöst, der Realitätsbezug gestärkt und emotionale Sicherheit gefördert. 

Der menschliche Geist ist wie ein Ball, der immer wieder hin und her springt. Er steht nie still und hat eine besondere Vorliebe dafür, gegen unsere Vergangenheit zu prallen, die auch belastende Ereignisse umfasst. Immer wieder erinnert er sich an schwierige Erfahrungen, die lähmende Schmerzen auslösen. Menschen, die an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, wissen, wovon sie sprechen. Die Erdungstechnik kann in diesem Fall hilfreich sein.

Die Erdungstechnik kann dir helfen, dich in der Gegenwart zu verankern. Es handelt sich um eine Strategie der Achtsamkeit, die bei Zwangsgedanken, Angst und Schmerzen durch eine traumatische Erinnerung hilft. Sie kommt auch präventiv bei Panikattacken zum Einsatz.

Dieses therapeutische Konzept wurde von dem US-amerikanischen Psychotherapeut Alexander Lowen entwickelt. Sein Ziel war, mit einer Körpertechnik den Geist zu beruhigen und das emotionale Gleichgewicht herzustellen. Diese Technik gilt heute als zuverlässiges Hilfsinstrument, was unter anderem von Untersuchungen der Universität Haifa in Israel gestützt wird. Es ist eine einfache, gültige und effektive Strategie für Menschen, die eine Phase großer Angst durchmachen oder an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden.

Wichtige Aspekte der Erdung in der Psychotherapie:

Funktion: Erdungsübungen unterbrechen den Teufelskreis von Angst, Panik oder Trauma-Erinnerungen, indem der Fokus von überwältigenden Gedanken auf den physischen Körper gelenkt wird.

Methoden:

  • Physisch: Füße fest auf den Boden stellen, den Rücken anlehnen, Hände spüren, Gehen.
  • Sensorisch: Umgebung beschreiben (5-4-3-2-1 Technik), kalte Gegenstände berühren, Düfte wahrnehmen.
  • Visualisierung: Wurzeln aus den Füßen/Sitzknochen in die Erde wachsen lassen, um Halt und Stabilität zu spüren.

Anwendungsgebiete: Einsatz bei Traumatherapie, Panikattacken, starkem Stress, Dissoziation oder depressiven Episoden.

Ziele: Die Wiederherstellung von Sicherheit, die Förderung der Selbstregulation und die Verantwortung für das eigene Wohlbefinden im Hier und Jetzt. Erdung hilft, den Körper als sicher zu erleben und innere Ruhe in Stresssituationen zu finden.

 

Martina Hofer, Zentrum Mensch